Impulse für Dich
Ressourcen stärken: Wie Du Dein Nervensystem beruhigst und mehr Gelassenheit im Alltag findest
Ressourcen – Warum sie mehr sind als „Selfcare“
Vielleicht kennst Du diesen Moment:
Du weißt eigentlich, was Dir guttun würde.
Ein Spaziergang. Musik. Ein Gespräch. Eine Pause.
Und trotzdem machst Du es nicht.
Oder es fühlt sich nicht wirklich erholsam an.
Warum ist das so?
In der neurosystemischen Arbeit sprechen wir von Ressourcen.
Und Ressourcen sind weit mehr als kleine Wellness-Inseln.
Was sind Ressourcen eigentlich?
Ressourcen sind Deine Energiequellen.
Deine inneren und äußeren Hilfsmittel.
Sie helfen Dir, Dich zu regulieren.
Sie bringen Dich zurück in Kontakt mit Dir selbst.
Ressourcen sind Brücken.
Brücken ins Hier und Jetzt.
Brücken in Deine Präsenz.
Brücken in das Gefühl von Sicherheit.
Und Sicherheit ist die Grundlage für Regulation.
Ohne Ressourcen – keine Regulation.
Wie fühlt es sich an, Du selbst zu sein?
Vielleicht eine ungewohnte Frage.
Aber wenn Du wirklich bei Dir bist –
ruhig, verbunden, klar –
dann fühlt sich das integer an.
Stimmig.
Aufrecht.
Ganz.
Ressourcen unterstützen genau dieses Gefühl.
Sie helfen Dir, wieder zu spüren:
So fühlt es sich an, ich zu sein.
Die drei Arten von Ressourcen
Ressourcen sind sehr individuell.
Aber man kann sie grob in drei Bereiche einteilen:
1. Innere (interne) Ressourcen
Das sind Dinge, die in Dir wohnen:
-
Deine Fähigkeiten
-
Deine Talente
-
Positive Erinnerungen
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Erfahrungen von Freude oder Gemütlichkeit
-
Angenehme Körperempfindungen (z. B. über etwas Weiches streichen)
-
Wohlwollen Dir selbst gegenüber
-
Visionen, Ideen, Ziele
All das versetzt Dich in eine lebendige Energie.
2. Äußere (externe) Ressourcen
Das sind Dinge im Außen, die Dich nähren:
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Orte in der Natur
-
Musik
-
Massagen
-
Ein Museumsbesuch
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Tätigkeiten, die Freude machen
-
Finanzielle Sicherheit
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Ein Hobby
-
Mutter Natur
3. Relationale Ressourcen
Das sind Beziehungen:
-
Familie
-
Partner
-
Freunde
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Nachbarn
-
Kollegen
-
Gruppen
-
Soziales Engagement
-
Tiere
Verbindung ist eine der stärksten Ressourcen überhaupt.
Warum wir Ressourcen manchmal nicht mehr spüren
Unser Nervensystem ist darauf ausgelegt, Gefahr zu erkennen.
Besonders, wenn wir schwierige Erfahrungen gemacht haben.
Traumafolgen lenken unseren Fokus auf:
Wo ist die Bedrohung?
Schönes wird dann kaum noch wahrgenommen.
Ressourcen werden nicht erinnert.
Manchmal sogar gemieden.
Vielleicht kennst Du Gedanken wie:
„Wenn ich mich zu sehr freue, passiert bestimmt etwas Schlimmes.“
Oder:
„Ich darf nicht entspannen.“
Frühe Mangel- oder Verlusterfahrungen können dazu führen, dass Ressourcen nicht als sicher abgespeichert wurden.
Dann übernimmt die Überlebensstrategie.
Überlebensstrategien kennen keine Pause
Funktionieren.
Durchhalten.
Vermeiden.
Kontrollieren.
Vielleicht erkennst Du Dich wieder:
-
Du vermeidest Dinge, um weniger Angst zu spüren.
-
Du schiebst Aufgaben auf, um Beschämung zu umgehen.
-
Du bist hoch funktional – aber ohne Genuss.
Kein Innehalten.
Kein Feiern.
Kein wirkliches Spüren.
Und das kostet unglaublich viel Kraft.
Wenn Menschen vermeiden, brauchen sie enorme Energie.
Diese Energie hält das System am Laufen.
Aber sie steht nicht für Lebendigkeit zur Verfügung.
Ressourcen wirken nur, wenn wir sie spüren
Eine Ressource ist keine To-do-Liste.
„Ich muss jetzt meditieren.“
„Ich muss dankbar sein.“
„Ich sollte mal wieder spazieren gehen.“
So funktionieren Ressourcen nicht.
Sie wirken nur, wenn wir sie verkörpern.
Wenn wir sie wirklich fühlen.
Wenn wir einen Moment darin verweilen.
Regulation entsteht nicht durch Abhaken.
Sondern durch Erleben.
Und das Schöne ist:
Ressourcen nähren Regulation.
Und Regulation lässt neue Ressourcen entstehen.
Ein wachsender Kreislauf.
Eine kleine Einladung
Was sind Deine Ressourcen?
-
Wann fühlst Du Dich ein kleines bisschen mehr wie Du selbst?
-
Welche Erinnerung schenkt Dir Wärme?
-
Welcher Ort beruhigt Dich?
-
Welche Person tut Dir gut?
Und vielleicht noch wichtiger:
Welche eine Ressource könntest Du heute bewusst pflegen?
Nicht perfekt.
Nicht lange.
Nur einen Moment.
Wenn Du merkst, dass es Dir schwerfällt, Deine Ressourcen überhaupt wahrzunehmen oder zu spüren, dann ist das kein persönliches Versagen.
Manchmal braucht es einen sicheren Rahmen, um sie wieder zu entdecken.
Und genau das ist ein Teil meiner Arbeit.
Zurück in Verbindung.
Zurück in Sicherheit.
Zurück zu Dir.
Schnell gestresst im Familienalltag? Was dein Nervensystem damit zu tun hat
Sich einzureden, dass man sicher ist, beruhigt keinen Körper im Alarm
Kennst du das?
Du sagst dir:
„Es ist doch alles gut.“
„Ich brauche nicht so zu reagieren.“
„Ich übertreibe.“
Und trotzdem rast dein Herz.
Deine Schultern sind angespannt.
Du wirst schneller laut, als du eigentlich möchtest.
Das liegt nicht daran, dass du dich nicht genug anstrengst.
Sondern daran, dass dein Körper schneller ist als dein Verstand.
Unser inneres Sicherheitssystem
Unser Organismus fühlt sich sicher, wenn seine Wahrnehmung meldet:
Hier droht keine Gefahr.
Diese Wahrnehmung entsteht aus drei Quellen:
-
Was geschieht um mich herum?
-
Was passiert in meinem Körper?
-
Wo befinde ich mich im Raum?
Noch bevor wir bewusst denken, prüft ein unbewusstes „Radar“, ob alles in Ordnung ist.
Und dieses Radar meldet direkt an unser autonomes Nervensystem.
Das bedeutet:
Bevor wir verstehen, was los ist, reagiert der Körper schon.
Warum Sicherheit für jeden Menschen anders ist
Was sich sicher anfühlt, ist individuell geprägt.
Wir lernen als Kinder durch unsere Bezugspersonen:
-
Wie fühlt sich Geborgenheit an?
-
Wie fühlt sich Gefahr an?
-
Wann bekomme ich Unterstützung?
-
Wann bin ich allein?
Diese frühen Erfahrungen prägen unser Nervensystem.
Sie beeinflussen, wie schnell wir in Stress geraten – und wie leicht wir wieder in Balance finden.
Sympathikus & Parasympathikus – unsere inneren Gegenspieler
Für unsere alltägliche Regulation sind zwei Bereiche des autonomen Nervensystems besonders wichtig:
Der Sympathikus
Er aktiviert uns.
Er mobilisiert Energie.
Er macht uns handlungsbereit.
Das ist wunderbar, wenn wir:
-
Sport treiben
-
ein Referat halten
-
spielen
-
kreativ sind
Unter Bedrohung sorgt er jedoch für Kampf oder Flucht.
Er bringt Überlebensenergie ins System.
Der Parasympathikus
Er hilft uns, zur Ruhe zu kommen.
Hier wird integriert, verdaut, regeneriert.
Wir fühlen uns verbunden, präsent, neugierig.
Lernen wird möglich.
Feinfühlige Beziehungen entstehen.
Doch auch er hat eine Stressreaktion:
Wenn eine Situation als ausweglos erlebt wird, kann es zu Starre, emotionaler Taubheit oder innerem Rückzug kommen.
Ein Schutzmechanismus. Kein Versagen.
Das Stresstoleranzfenster
Der Neurobiologe Daniel Siegel beschreibt das sogenannte Stresstoleranzfenster.
Man kann es sich wie einen Bereich vorstellen, in dem wir uns:
-
sicher
-
verbunden
-
präsent
-
neugierig
-
handlungsfähig
fühlen.
Innerhalb dieses Fensters sind Denken und Fühlen im Gleichgewicht.
Wenn wir nach oben „aus dem Fenster kippen“
Bei Stress oder Bedrohung steigt die Erregung.
Der Sympathikus übernimmt.
Wir werden unruhig.
Reizbar.
Kontrollierend.
Laut.
Wenn wir Unterstützung finden oder die Situation bewältigen können, reguliert sich das System wieder.
Wir kommen zurück ins Fenster.
Wenn wir nach unten „aus dem Fenster rutschen“
Hält Stress lange an oder fühlen wir uns hilflos, wird es für den Körper zu anstrengend, dauerhaft Energie bereitzustellen.
Dann kann das System in Untererregung gehen:
-
Erschöpfung
-
Taubheit
-
Rückzug
-
„Mir ist alles egal“
-
inneres Abschalten
Auch das ist ein Schutz.
Warum das Fenster manchmal kleiner wird
Wenn unser inneres Radar häufig Gefahr meldet, wird das Zeitfenster, in dem wir uns sicher fühlen, kleiner.
Wir kippen schneller:
-
nach oben in Überreaktion
-
oder nach unten in Rückzug
Und genau hier beginnt oft das Gefühl:
„Ich funktioniere nur noch.“
„Ich bin gar nicht mehr richtig da.“
„Ich möchte eigentlich anders reagieren.“
Und jetzt wird es wichtig
Man kann sich nicht in Sicherheit denken, wenn der Körper im Alarm ist.
Regulation geschieht nicht über Vernunft.
Sondern über Erfahrung.
Das Stresstoleranzfenster lässt sich weiten.
Nicht durch Druck.
Sondern durch Ressourcen.
Durch kleine Momente von:
-
Sicherheit
-
Verbindung
-
Verkörperung
-
Wahrgenommen-werden
Je mehr regulierende Erfahrungen dein Nervensystem sammelt, desto stabiler wird es.
Und desto länger kannst du im „Fenster“ bleiben.
Eine Frage für dich
Wann fühlst du dich in deinem Alltag wirklich sicher?
Und woran merkst du das in deinem Körper?
Vielleicht ist genau dort ein erster Zugang zu deinem Fenster.
Kennst du das?
Du bist müde, aber dein Körper kommt nicht zur Ruhe.
Oder dein Kopf fühlt sich dauerhaft angespannt an.
Unser Nervensystem reagiert schneller, als wir denken.
Und manchmal braucht es keine große Technik, sondern kleine, gezielte Impulse.
Die Vagus-Ohr-Massage ist eine sanfte Möglichkeit, deinem autonomen Nervensystem Sicherheit zu signalisieren.
Langsam.
Ohne Druck.
Ohne „es richtig machen zu müssen“.
Wichtig:
Mach die Übungen nur so lange, wie sie sich angenehm anfühlen.
Dein Körper darf das Tempo bestimmen.
Mich interessiert:
Konntest du eine Veränderung wahrnehmen?
Wurde dein Atem ruhiger?
Dein Kiefer weicher?
Teile deine Erfahrung gern in den Kommentaren.
Willst Du perfekt sein oder lieber glücklich?
Was wäre, wenn Du heute auf Deinen Perfektionismus verzichtest?
Ein lauer Spätnachmittag im Sommer. Die gemeinsame Zeit mit meiner Tochter wird immer seltener und so frage ich sie, ob sie Lust hat, mit mir zusammen ein Bild für unser Wohnzimmer zu malen.
Als sie zustimmt, organisiere ich voller Vorfreude Farben wie Echtgelb, Lichtgrün und Türkisblau, denn UNSER Bild soll farbenfroh und leuchtend sein. So stelle ICH es mir vor.
Die Leinwand ist so groß, dass wir sie im Hof auf den Boden legen müssen. Ich male drauflos. Sie eher zögerlich. Ich spüre, wie sie denkt, Erwartungen erfüllen zu müssen, MEINE Erwartungen, dass es ein PERFEKTES Bild wird. Ich ermutige sie einfach drauf loszumalen und nicht zu denken.
Nun legt sie los: Rosa, Orange, Grün, Gelb… alles was sie in die Hände bekommt landet auf der Leinwand und sie vermischt die Farben bis sie letztendlich braun sind.
Mein Innerstes sagt, oh Gott, das wird ein düsteres braunes Bild… und ICH wollte doch… und ich merke, wie es in mir eng wird, wie mein Perfektionismus den Moment mit ihr zerstören würde.
Also ziehe ich mich immer mehr zurück. Male mal etwas hier. Male mal etwas da.
Und irgendwann reiche ich ihr nur noch die Farben, die sie braucht und säubere die Pinsel für ihre nächste Farbe und lächle in mich hinein, weil ich glücklich bin wie ich ihr zusehen darf.
Am Ende ist das Bild sehr experimentell geworden. Selbst ein Delfin scheint sich auf das Bild geschlichen zu haben.
Meine Tochter lächelt und ich auch. Wir haben einfach die Zeit genossen.
Nun, da das Bild draußen liegt und ich es abends reintragen muss, halte ich die Leinwand schief um zur Tür reinzukommen. In dem Moment sehe ich, dass die gelbe Farbe vom Delfin am Kopf verläuft. Oh NEIN! Ich kriege einen Herzinfarkt. Der perfekte Delfin ist jetzt ein Fisch mit einer Beule am Kopf! Ich muss es meiner Tochter beichten, aber sie findet es nicht schlimm. Ich bin erleichtert und lache.
Das herrlich unperfekte Bild erinnert mich täglich daran, dass ich ohne meinen Perfektionismus glücklicher bin.
Ich freue mich auf Deine unperfekte Geschichte! 😊
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